Duisburg trägt den Titel Fairtrade-Town. Um diesen Titel zu erhalten, mussten nur 5 Kriterien erfüllt werden: Ein paar Dritte-Welt-Läden plus ein paar größere Ketten mit GEPA-Regal, faires Bio-Essen in einigen Schulen und Cafés, fairer Kaffee im Büro des Bürgermeisters und in einigen Verbänden. Das wars.

Für etwaige Gewissensbisse Einzelner ist die Stadt nun nicht mehr verantwortlich. Oder?

Gerade einkommensschwache Familien konsumieren oft unreflektiert. (Foto "Konsum" by Horst Gutmann @Flickr some rights reserved)

Gerade einkommensschwache Familien konsumieren oft unreflektiert.
(Foto „Konsum“ by Horst Gutmann,
some rights reserved)

Die eigentliche Herausforderung auf dem Weg zu einer echten Fairtrade-Stadt liegt darin, bei einem verhältnismäßig hohem Anteil an einkommensschwachen Haushalten ein generelles Bewusstsein für nachhaltigen Konsum entstehen zu lassen.

Was nützt ein GEPA-Regal im Edeka, wenn die meisten daran vorbeigehen ohne etwas zu kaufen?

Wenn man die Leute fragt, will ja irgendwie keiner, dass Menschen verhungern, Tiere gequält werden oder Gifte auf unsere Lebensmittel gesprüht werden müssen. Mehr dafür zahlen oder erst einmal gründlich recherchieren können und wollen die meisten jedoch nicht, schließlich ist es im Alltagstrubel häufig auch ziemlich unpraktikabel.

Was tun? Einfach weitermachen und sich mit dieser kognitiven Dauerdissonanz arrangieren? Oder einen Kleingarten pachten und den Eigenbedarf selbst anbauen? Beides erprobte Handlungsstrategien, doch nicht unbedingt für Jedermann geeignet.

Wie wäre es denn mit einem Zwischenweg? Nicht jeder kann es sich leisten, seinen Kaffee nur noch bio und fairtrade zu kaufen, aber fast jeder von uns schmeißt täglich irgendwas weg, was er mal günstig im extragroßen Paket gekauft und dann doch nicht aufgebraucht hat. Solcher Verschwendung kann man entgegenwirken, indem man sich an ein paar Grundsätzen orientiert:

1. Wo es geht, kauft saisonal und regional. Denn sowohl die mitunter extrem langen Transportwege, als auch der Anbau im Gewächshaus sowie die Lagerung verschiedener Obst- und Gemüsesorten verursacht Unmengen an vermeidbaren CO2-Emissionen.

Eine abwechslungsreiche, gesunde und umweltschonende Ernährung muss nicht teuer sein! (Foto: AHealthierMI_Veggies, some rights reserved)

Eine abwechslungsreiche, gesunde und umweltschonende Ernährung muss nicht teuer sein!
(Foto: AHealthierMI_Veggies, some rights reserved)

 

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Wenn der Weg zum nächsten Hofladen zu weit ist, schaut mal wieder auf dem örtlichen Wochenmarkt vorbei. Doch Vorsicht! Nicht alles, was dort angeboten wird, stammt auch wirklich aus der Region. Achtet am besten auf regionale Kennzeichnungen oder erkundigt euch direkt beim Verkäufer. Eine Hilfestellung bietet z.B. das Siegel für „Geprüfte Regionalität“. Edit: Dieses Siegel ist bisher weitestgehend nur in Süddeutschland zu finden. Für Verbraucher in nördlichen Teilen Deutschlands haben viele Supermarkt-Ketten regionale Regale oder gesonderte Kennzeichnungen eingerichtet, die aber leider noch sehr unübersichtlich sind.

 

Wenn ihr euch nicht sicher seid, welches Obst und Gemüse wann Saison hat, druckt euch am besten die Saisontabelle aus und hängt ihn an euren Kühlschrank. Selbst wenn ihr dadurch bei nur einem von 5 Einkäufen mal darauf achtet, wann ihr was kauft, hat es bereits etwas gebracht.

Ihr seid nun aber in der Küche nicht so die Experten? Kein Problem, leckere Rezepte für jede Saison findet ihr unter www.regional-saisonal.de oder unter bio-spitzenkoeche.de.

2. Ihr habt es bestimmt schon geahnt: Kauft weniger! Wenn die Eier aufgebraucht sind, braucht ihr nicht zwangsläufig sofort wieder zum Supermarkt zu rennen und neue zu holen. Denn vielleicht habt ihr es schon bemerkt: Ihr kauft niemals nur eine Schachtel Eier, wenn ihr einmal da seid. Und schnell habt ihr euren Kühlschrank wieder derart vollgepackt, dass ihr unmöglich alles rechtzeitig aufbrauchen könnt.

Wir kaufen meist viel mehr, als wir brauchen. Dadurch verschwenden wir jährlich Lebensmittel im Wert von etwa 300 €. (Foto: epSos .de, some rights reserved)

Wir kaufen meist viel mehr, als wir brauchen. Dadurch verschwenden wir jährlich Lebensmittel im Wert von etwa 300 €.
(Foto: epSos .de, some rights reserved)

Versucht stattdessen lieber, eure Wocheneinkäufe längerfristiger zu planen und die Zwischendurch-mal-eben-Einkäufe zur Ausnahme werden zu lassen. Wenn dann doch mal was fehlt, improvisiert! So seid ihr automatisch kreativer und entdeckt vielleicht neue Rezepte, auf die ihr anders nie gestoßen wärt.

3. Bei den Lebensmitteln hört unser Konsum aber natürlich nicht auf. Ein weiterer großer Posten in unserer alljährlichen Ausgabenliste ist Kleidung. Spätestens seit den letzten Skandalen um Menschenrechtsverletzungen und miserable Bedingungen in den Großnähereien einiger namhafter Hersteller sollte so ziemlich jedem klar sein, dass ein T-Shirt für 3 € nicht fair hergestellt und gehandelt worden sein kann. Wer sich hierzu auf dem Laufenden halten möchte, kann dies unter anderem unter das-ist-untragbar.de.

Was tun?

Zunächst einmal seid euch sicher, ob immer auch wirklich ein Bedarf nach neuen Klammotten besteht. Natürlich möchte man gerne immer modisch und ordentlich angezogen aussehen, aber muss man dafür immer nach H&M? Viele Kleidungsstücke lassen sich mit relativ wenig Handgriffen aufpimpen oder neu kombinieren. Stattet auch mal wieder dem nächsten Flohmarkt oder Second-Hand-Laden einen Besuch ab – dort findet ihr häufig für wirklich kleines Geld Kleidung, die zumindest nicht jeder hat.

Second Hand hat sein Muffel-Image längst verloren und bietet eine günstige Alternative zum immergleichen Marken-Look. (Foto: daniel.stark, some rights reserved)

Second Hand hat sein Muffel-Image längst verloren und bietet eine günstige Alternative zum immergleichen Marken-Look.
(Foto: daniel.stark, some rights reserved)

Außerdem gibt es inzwischen einige Start-Ups und Marken von gemeinnützigen Einrichtungen, die ausschließlich fair gehandelte Kleidung mit sauberer CO2-Bilanz anbieten und die preistechnisch absolut bezahlbar sind. Ein paar Beispiele wären:

3Freunde (vor allem bedruckte bzw. bedruckbare Shirts, Polohemden, Hoodies)

Grundstoff (unbedruckte Basics)

Lamulamu (Kooperationsprojekt der katholischen Landjugendbewegung mit Kenia, bedruckbare T-Shirts)

Eine umfangreichere Liste von fairen Herstellern und Online-Shops findet ihr außerdem unter fair4you-online.de.

4. Hört nicht auf, zu hinterfragen! Sei es beim Smartphone, eurem Stromlieferanten, eurer Geldanlage: Das Angebot an fairen Alternativen wächst und ist oft nicht teurer als die konventionelle Variante.

Was brauche ich wirklich? Muss es immer das schnellste, neueste, beste sein oder vielleicht doch eher das wert-vollste?

Was brauche ich wirklich? Muss es immer das schnellste, neueste, beste sein oder vielleicht doch eher das wert-vollste? (Foto: Nina Matthews, some rights reserved)

Mehr zu diesen Themen findet ihr unter:

kritischerkonsum.de

fair4you

www.fairtrade-deutschland.de

Infos zum Fairtrade-Town Duisburg

 

In diesem Sinne (ein bisschen Pathos muss sein 😉 ):

Be the change that you want to see in the world. -Mahatma Gandhi

 

Cheers,

Eure Kahzn

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