Pokémon GO in der Jugendarbeit.

Datenschutz, pädagogische Aspekte und Anwendung in der Jugendarbeits-Praxis.

An dem Phänomen Pokémon Go gibt es zur Zeit kein Vorbeikommen. Mittzwanziger spielen es, ihre kleinen Geschwister auch, und sogar in der Citypastoral findet es schon Verwendung. Was hat das für Auswirkungen auf mich in meiner Jugendarbeit? Muss ich mich damit irgendwie auseinandersetzen?

Nun, schaden kann es nicht. Aber keine Sorge: Niemand erwartet von dir, dass du dich jetzt sofort auch von dem Hype anstecken lässt, wenn du das nicht willst. Es ist ja auch gut möglich, dass es schnell wieder abflaut. Allerdings darf man dabei nicht außer Acht lassen, dass Pokémon als Marke bereits lange genug existiert, um diesem Trend eine gewisse Stabilität zu verheißen. [Ich für meinen Teil würde fürs Erste davon ausgehen, dass es einen ähnlich langen Atem haben wird wie Minecraft, und damit als Teil der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen nicht ignoriert werden sollte, aber das muss jeder für sich entscheiden.]

Ja gut, was daran ist dann für mich als Jugendleiter relevant? In diesem Artikel setze ich im wesentlichen Voraus, dass das Spielprinzip bekannt ist. Wer es gar nicht kennt, dem empfehle ich den etwas detaillierteren Artikel von spieleratgeber-nrw. Der Beitrag ist gegliedert in drei Hauptaspekte: Datenschutz, pädagogische Aspekte und Anwendung in der Praxis.

Zum Datenschutz 

Hier stellt sich die Angelegenheit eigentlich relativ einfach dar: Die App sammelt Standortinformationen  ihrer Nutzer, was für die Spielmechanik logischerweise unverzichtbar ist. Außerdem werden auch personenbezogene Daten erhoben, die dann, wie mittlerweile (leider) üblich, auch an Dritte (zu Marketingzwecken, Ermittlungszwecken, etc.) weitergegeben werden. Das Spiel wurde von der Google-Tochter Niantic hergestellt und betrieben, die sich aber mittlerweile vom Mutterkonzern abgespalten hat.

Nichtsdestotrotz würde ich die datenschutzrechtliche Lage ähnlich wie bei Google sehen. Und da Google ja schon seit Jahren fröhlich unsere Standortdaten sammelt – kann man sich übrigens wunderbar in seiner Location History angucken – und es niemanden mehr so wirklich zu stören scheint, würde ich das mal als weniger dramatisch ansehen (zumal man im Falle dieses Spiels den direkten Sinn und Zweck dieses Datenzugriffs auf der Hand hat).

Dementsprechend halte ich, um noch einmal auf die Jugendleiter-Prespektive zu kommen, Warnungen an eure Gruppenkinder à la „Guckt euch mal an, wie viele Berechtigungen das Spiel haben will!“ für wenig erfolgsversprechend. Leider!

Pädagogische Aspekte

Erstmal zu den positiven Aspekten des Spiels:

Bewegung. Eine Grundidee des Spiels basiert darauf, dass man seinen Hintern raus aus den eigenen Vier Wänden und an die frische Luft bewegt. Das wird u.a. dadurch erreicht, dass sog. Pokestops und Kampfarenen wild in der Stadtkarte verteilt wurden und man sein Smartphone in deren Nähe bewegen muss. Außerdem gibt es im Spiel Features, die das Ablaufen besonders langer Strecken fördern (z.B. kann man Pokemon-Eier ausbrüten, indem man sich bewegt. Je länger die Strecke, die man für ein Ei ablaufen muss, desto seltener ist meist das Pokemon, das sich darin befindet). Endlich mal ein Spiel, das erfolgreich eine ganze Generation vor die Tür bekommt :).

Soziale Kontakte. Parallel zur Verbreitung des Spiels haben sich schnell auch überall in den sozialen Netzwerken Gruppen und Foren geöffnet, in denen es darum geht, gemeinsam auf die beliebte Pokemon-Jagd zu gehen oder gegeneinander anzutreten. Wie kaum ein anderes Spiel, das ich kenne, regt Pokémon GO dazu an, sich auch mit fremden auf der Straße auszutauschen, ins Gespräch zu kommen und vielleicht sogar neue Freunde zu finden.

Flexibilität. Weder die Ladezeiten noch der zeitliche „Grundumsatz“, den man leisten muss, wenn man das Spiel öffnet, sind besonders hoch. Daher eignet es sich prima für Zwischendurch, für den Schul- und Nachhauseweg, Bahnfahrten oder längeres Schlangestehen. Es ist zu jedem Zeitpunkt ohne großen Verlust möglich, das Spiel zu unterbrechen oder auszuschalten und an der selben Stelle (ja gut, vielleicht nicht örtlich) wieder einzusteigen.

Niederschwelligkeit. Die Steuerung ist intuitiv, einfach und kommt im wesentlichen ohne viel Text aus. Dadurch können es schon Kinder im Vorschulalter oder Menschen mit Leseschwierigkeiten im Wesentlichen problemlos spielen. Es ist leicht zugänglich und kostenfrei im Appstore zu haben.

 

Zu den Gefahren:

Unaufmerksamkeit. Klar. Wer durch die Gegend läuft und dabei auf sein Handy starrt, bekommt nicht immer mit, was um einen herum passiert. Sowas lernen die Kinder meist aber selbst sehr schnell, wenn sie das erste mal vor eine Laterne laufen oder über einen Bordstein stolpern. Bei besonderen Härtefällen, die zu oft zu sehr darin versinken, kann es helfen, darauf hinzuweisen, dass es bei dem Spiel eine Akkuspar-Option gibt, die das Display abschaltet und nur dann vibriert, wenn etwas Interessantes (z.B. ein Pokestop oder ein wildes Pokemon) in der Nähe ist. Wenn selbst das nichts hilft, kann man sich z.B. aus dieser Liste von unerfreulichen Vorkommnissen im Zusammenhang mit Pokemon GO  (die ich mit einer Prise Skepsis nehmen und unter „urbane Legenden“ verbuchen würde), diejenige als Beispiel heraussuchen, die für den jeweiligen pädagogischen Anschauungszweck die passendste ist (leider auf Englisch!).

Suchtgefahr. Nun, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ist der Suchtfaktor des Spiels offensichtlich. Wie stark dieser auf Dauer wirkt, wird sich zeigen und hängt u.a. von den Entwicklern, den Spielern und auch von der Akzeptanz der Nicht-Spielenden ab.

Ich persönlich spiele es auch ab und zu und habe darin bisher noch nicht viel Potenzial für eine Langzeit-Sucht bemerkt, da sich die Möglichkeiten bisher in Grenzen halten: Ich kann Pokemon sammeln (ca. 150 Stück), was aber verhältnismäßig schnell gesättigt sein wird, wenn vom Entwickler nicht relativ zügig Pokémon nachgeliefert werden.

Außerdem gibts durch die Einteilung in Teams und das Umkämpfen der Arenen noch ein gewisses Suchtpotenzial, das von etwas andauernder Wirkung sein kann. Allerdings kann ich mir auch hier vorstellen, dass es ab einem bestimmten Punkt eher demotivierend wirken kann, wenn die Arenen in der eigenen Umgebung irgendwann alle von unschlagbar starken Pokémon verteidigt werden, die man als Gelegenheitsspieler niemals herausfordern kann.

In-App-Käufe. Das Spiel selbst ist kostenlos im App-Store zu bekommen. Will man aber besonders hilfreiche Items, wie z.B. Pokébälle oder Rauch (zum Anlocken von Pokémon) haben, kann man sich das Leben leichter machen und diese indirekt über eine ingame-Währung für echtes Geld kaufen. Dass so etwas, gepaart mit pfiffigen Kindern und unaufmerksamen Erwachsenen sehr schnell in äußerst erschreckenden Kreditkartenabrechnungen enden kann, brauche ich wohl niemandem mehr zu erklären.

So, jetzt habe ich aber mal genug gewarnt. Last but not least zu dem Thema:

Anwendung in der Praxis:

Kann man ein Großgruppen- oder Geländespiel fürs Ferienlager aus der Spielmechanik von Pokémon GO klöppeln?  Meiner Erfahrung nach kommen Spielprinzipien, die die Kinder in Ihrer Freizeit schon gerne spielen, in der Gruppenstunde oder in Lagern auch immer gut an, weil man sie nicht mehr groß erklären muss und schneller zur Sache kommen kann. Wäre es mit einer Erweiterung des bekannten Schmugglerspiels getan, bei der die Kinder Leiter aufhalten müssen, die wiederum Pokémon in verschiedenen Konstellationen mit sich herumtragen? Oder würdet ihr es eher wie eine Schnitzeljagd aufbauen? Man könnte sich auch auf den Aspekt des Arenen-Verteidigens konzentrieren und verschiedene Teams um „Ringe“ (z.B. Hulahoopreifen) ringen lassen (Haha Wortwitz!). Diese Fragen lasse ich bewusst an dieser Stelle mal offen, schreibt eure Ideen und Ergänzungen in die Kommentare!

Liebe Grüße, 

eure Kahzn aka Kathi vom BDKJ Duisburg

Spielerisch einfach Sprachen lernen und auffrischen mit Duolingo

Euer nächstes Lager geht ins Ausland und euer Sprachkurs ist schon verdammt lange her?Oder ihr wollt einfach so euer Spanisch ein wenig aufbessern? Dann schaut euch am besten mal Duolingo an.

Spielprinzip

Level, Achievements und Gems, sogenannte „Lingots“ lassen diese Browserapp sehr spielerisch wirken und geben euch einen Überblick über euren Fortschritt. Die Lektionen sind nach dem „Dive-in“-Prinzip strukturiert, und schön kurz gehalten, wodurch ihr euch nicht immer erst dröge Grammatiktabellen angucken müsst, sondern direkt loslegen könnt. Und das funktioniert!

Wörter erraten, Texte erkennen und Hörverständnis ab der ersten Minute

Sobald ihr eine Lektion beginnt, kommen in zufälliger Reihenfolge verschiedene Worterkennungs-, Textverständnis- als auch Schreib- und Sprechpraxisübungen vor.

Ich selbst habe die App zunächst für mich selbst nur zum Sprachenauffrischen genutzt und bin dann schnell dazu übergegangen, einfach so aus Spaß noch eine neue Sprache dazuzunehmen. Es läuft erstaunlich gut – ohne Lehrer, ohne Klasse und ohne Grammatiktabellen.

Selbstverständlich kann man die jeweilige Grammatik jeweils am Kapitelanfang nachlesen (was ich bisher noch nie wirklich gebraucht habe) – oder bei Fragen in die Diskussion reinschauen (das wohl schon eher).

Man muss nicht bei 0 anfangen

Wenn ihr schon Vorwissen in einer Sprache habt, könnt ihr euch zunächst einmal über den Placement-Test auf euer Level einpendeln lassen und von dort aus weitermachen. Dann seid ihr nicht gezwungen, euch als Fortgeschrittener durch den kompletten Basiskram zu arbeiten.

Kleine Motivationshelfer sind auch eingebaut. Die Lingots z.B. kann man im Programminternen „Store“ gegen abwechslungsreiche Sonderfunktionen oder -lektionen eintauschen, wie z.B. lustige Flirtsprüche in der jeweiligen Sprache. Außerdem wird der Zeitraum in Tagen gemessen, den man durchgehend drangeblieben ist – dein persönlicher „Streak“, den andere Community-Mitglieder auch sehen können. Schließlich gibt es natürlich dann noch die Möglichkeit, sich mit seinen Freunden auf duolingo zu messen – ähnlich wie bei Community-Spielen, allerdings nicht ganz so aufdringlich mit den Anfragen ;).

100% kostenlos – Wo ist der Haken?

Das beste daran ist: Duolingo ist 100 % kostenlos und läuft auf Windows, Mac und ist natürlich auch als App fürs Smartphone verfügbar. Keine kostenpflichtigen In-App-Käufe, keine Premium-Versionen und keine Werbung. Wie das sein kann, erklärt sich relativ einfach:

– zum einen ist da die starke Community, die sich an Sprachkursen im Aufbau beteiligt und bei Fragen Hilfestellung bietet. Somit lässt sich die Anzahl bezahlter Sprachtutoren auf das absolute Minimum beschränken.

– zum anderen stammen viele der Sätze und Übungstexte, die übersetzt werden, von echten Internetquellen: Den Kunden Duolingos, wie z.B. CNN oder Buzzfeed. Das Prinzip: Viele fortgeschrittene Duolingo-Arbeitsbienchen übersetzen den selben Satz, um eine korrekte Übersetzung zu gewährleisten. Damit werden möglichst viele Texte in möglichst viele Sprachen übersetzt. Im Endeffekt „bezahlen“ die Lernenden auf dieser Plattform also durch ihre eigenen Lernbemühungen, was ich persönlich für ein ziemlich geniales Konzept halte.

Manko: Kannste kein Englisch, biste nix

Allerdings ist duolingo noch sehr Englisch-lastig. Für deutsche Muttersprachler wird bisher nur Englisch und Französisch angeboten. Wer sich aber zumutet, auch nach Englisch zu übersetzen (was gar nicht so schwer ist), der kann sich aktuell noch Spanisch, Niederländisch, Portugiesisch, Italienisch, Irisch (Gälisch), Schwedisch und Dänisch aussuchen.

Fazit

Ein gut durchdachtes Konzept, das überzeugend umgesetzt wurde und (bisher zumindest noch) außerordentlich gut funktioniert. Ich bin zwar noch etwas skeptisch, ob ich nach diesem Prinzip effektiv auch eine neue Sprache lernen kann, werde aber dranbleiben. Wer weiß? Vielleicht kann ich ja wirklich bald mit meinem Schwedisch angeben ;).

Cheers!

Eure Kahzn