Vor etwas mehr als einem Monat wollte Facebook bereits seine Richtlinien ändern und wurde von europäischen Datenschützern ein wenig gebremst. Jetzt sollen die angekündigten Änderungen uns morgen ereilen. Ob wir es wollen oder nicht. Denn widersprechen geht natürlich nicht. (Schon gar nicht mit so einem blöden Bild!).

Aber was genau fanden die Datenschützer denn so schlimm? Eigentlich klangen facebooks Ankündigungen im Rahmen der Aufklärungskampagne doch gar nicht mal so schlecht, weswegen ich mich auch zu dieser zugegeben wenig kritischen Auseinandersetzung hinreißen ließ:

Transparenz scheint das neue Marketing-Schlagwort zu werden. Denn kaum erzähle ich euch von der Informationskampagne der beliebtesten Suchmaschine der Welt, schon kommt Facebook um die Ecke und schlägt in dieselbe Kerbe. Heute gingen an alle deutschsprachigen Facebook-Nutzer E-Mails und Benachrichtigungen über die geplanten Änderungen beim Datenschutz raus, und diese können sich sehen lassen. Für diejenigen unter euch, denen der Text zu lang war und wer nicht auf die weiterführenden Links geklickt hat, dem erkläre ich an dieser Stelle kurz und knapp die wichtigsten Änderungen:

1. Die Standardeinstellung bei Postings wird nun von „öffentlich“ auf „Freunde“ umgestellt, damit unerfahrene Nutzer nicht unwissentlich öffentlich posten.

2. Ändert man seine Posting-Einstellungen auf „öffentlich“, wird ein neuer Reminder einen beim nächsten Post daran erinnern.

3. Zusätzlich startet ab nächstem Jahr ein sogenannter „Privacy-Checkup“ (quasi eine Privatsphäre-Tour), der jeden erfahreneren Nutzer dabei anleiten will, seine Privatsphäre-Einstellungen gegenzuprüfen.

4. Last but not least: Mein absoluter Favorit. ANONYMOUS LOGIN.

Ja. Ihr habt richtig gelesen. Ihr erinnert euch noch an die Liste von Berechtigungen, die jede kleine App euch abverlangt hat, wenn ihr euch über Facebook eingeloggt habt? Wenn das hier in dem Umfang angeboten wird, wie es vorgestellt wird, dann kann man demnächst seinen Facebook-Account nutzen, um sich einfach und schnell in verschiedene Dienste einzuloggen, bleibt für den jeweiligen Dienst aber zunächst einmal völlig anonym! Diese App kann dann logischerweise auch nicht in eurem Namen posten oder anderen Unfug mit euren Daten treiben. Sollte sie dann doch mal spezielle Berechtigungen für eine bestimmte Funktion benötigen, fragt sie diese separat ab, während ihr sie nutzt. Hach, wat wäre datt schön. Bleibt zu hoffen. Im übrigen hat facebook auch sein „normales“ Login-Verfahren überarbeitet und bietet nun die Möglichkeit, einzelne Berechtigungen NICHT zu erteilen. Selbstverständlich reicht das alles noch bei weitem nicht, um alle Datenschutzaspekte, die einem beim Thema facebook einfallen, einfach wegzuwischen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es aber allemal.

Huch, was war denn da mit mir los? Ich muss wohl die babyblaue Kritiklosigkeitsbrille aufgehabt haben. Denn so schön und einfach, wie das hier klingt, ist es natürlich nicht.

Der Handel mit Daten ist ein kompliziertes, aber furchtbar lukratives Geschäft und – zum Glück für die Beteiligten – von außen nicht so leicht zu durchschauen. Wer da mal Einblick bekommen möchte, ohne gleich irgendwelche schrecklich langweiligen Fachschmöker durchlesen zu müssen, dem empfehle ich als Alternative ein kostenloses Online-Spiel (ja das ist mein ernst!), das man zur Zeit entweder als Demo oder als geschlossene Beta testen kann: Data Dealer.

Facebook hat uns ein paar Bonbons hingeworfen, damit wir den eigentlichen Deal im Hintergrund nicht bemerken: Nämlich, dass sie – mal wieder – unsere Daten noch viel schamloser und konzentrierter aushorchen und zu Werbezwecken weiterverwenden wollen, als bisher. Ortsdaten und besuchte Webseiten sollen z.B. in Zukunft ausgelesen und verwertet werden, um euch z.B. „die Speisekarten der Restaurants in deiner Nähe“ anzubieten. Am besten noch angepasst an deinen persönlichen Geschmack. Und dein Budget.

Diese Daten, meine Lieben, könnt ihr facebook auch nicht verwehren, so schön die tolle neue Berechtigungs-welt auch klingt. Denn diese Neuerungen, von denen die Rede war, beziehen sich vor allem auf DRITTE. Facebook selbst behält dabei weiterhin den Zugriff und alle erdenklichen Rechte an euren Daten. Auch zum Speichern, zur weiteren Nutzung und zum Weiterverkauf.

Dabei wird euch natürlich nicht gesagt, was mit den Daten passiert, wo sie sich befinden oder wer alles Zugriff darauf hat. Der Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Düsseldorfer Medienrechtskanzlei WBS hat das mal schön zusammengefasst:

Fazit also: Legal ist das nicht, was facebook da macht, aber wehren können wir uns gegen dieses Gebahren auch nicht so wirklich. Außer durch die Löschung unseres Accounts.

Wenn ihr das allerdings im Sinn hattet müsst ihr euch aber beeilen: Die neuen Richtlinien kommen nämlich schon morgen. Ob legal oder nicht, ob ihr einverstanden seid oder nicht.

Cheers!

Eure leicht zermürbte Kathi

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