Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege: Der Wahl-O-Mat wurde primär konzipiert, um dem wahlmüden Durchschnittsdeutschen bzw. dem politisch ahnungslosen Jungwähler den Gang zur Urne zu erleichtern. Eine Entscheidungshilfe für Politikverdrossene und/oder Ahnungslose also.

Nun wollte ich mal wissen, was der so kann und habe den Selbsttest gewagt. Auch wenn das Ergebnis für mich wenig überraschend kam, so überraschte mich die Erkenntnis, dass der Wahl-O-Mat sein ursprüngliches Ziel augenscheinlich verfehlt.

Zum Warum? komme ich gleich, zunächst aber mal kurz: Wie funktioniert der Wahl-O-Mat?

Wahl-O-Mat02

Das Konzept ist einfach und erstmal nicht schlecht: Man nehme etwa 40 Statements, die grob von fast allen Wahlprogrammen angesprochen werden und lasse alle Parteien zunächst einmal selbst eine Runde Wahl-O-Mat spielen.

Danach kommen wir als User dran: Mal eben schnell angeben, ob man jeweils dafür, dagegen oder eher neutral ist, dann noch auf der letzten Seite die Themen hervorheben, die man für besonders wichtig hält (wobei es dabei kein Maximum zu geben scheint) und schon geht es zum Abgleich.

Aus dem Pool aller Parteien, die den Fragebogen vor einem ausgefüllt haben, darf man 8 aussuchen, mit denen die eigenen Ergebnisse verglichen werden (die Frage nach dem Warum wird in den FAQs im Wesentlichen mit der besseren Übersichtlichkeit und dem Ziel einer intensiveren Auseinandersetzung mit den einzelnen Wahlprogrammen abgetan – naja…).

Das nette Balkendiagramm auf der Ergebnisseite zeigt einem dann an, mit welcher der ausgewählten Parteien man am meisten übereinstimmt.

Warum aber verfehlt er nun sich selbst?

Eigentlich ganz einfach: Man stelle sich vor, man sei ein gerade 18-jähriger Jungwähler, der bisher im wesentlichen ohne großen Kontakt zur Politik durchs Leben gegangen ist.

Nun will man sich vor der Bundestagswahl ein wenig Inspiration für seine Wahlentscheidung holen und geht zum Wahl-O-Mat, wo man dann nach der eigenen Einstellung zum Ehegattensplitting, zu Eurobonds und Adoptionsrecht für Schwule und Lesben gefragt wird, und das ohne ein einziges erklärendes Wort zu diesen, teilweise hochkomplexen, Problematiken. Ebensowenig werden Alternativen zu den genannten Statements gezeigt, die einen vielleicht in eine eher abwägende, nicht einfach abnickende Position bringen würden.

Und so sieht das dann aus:

Wahl-O-Mat01

äh ja…

Ich persönlich hätte mich ja schon über eine Tooltip-Infobox oder eine Verlinkung zum Thema gefreut, damit ich mich nicht dazu verleitet gefühlt hätte, einfach „neutral“ anzuklicken, bloß weil ich es grad nicht besser weiß.

Zwar kann man Thesen auch überpringen, da dies aber aus welchen designtechnischen Gründen auch immer nicht als Button eingefügt wurde, sondern als Textlink, wird die Tendenz wohl eher dazu gehen, auf „neutral“ zu klicken (dies ist aber natürlich mein persönlicher Eindruck).

Die vorhandenen Themen unterscheiden sich sehr in Reichweite und Komplexität und es wird bei weitem nicht alles abgedeckt: So ist der Kinder- und Jugendbereich der Politik mit der Frage nach dem Betreuungsgeld quasi abgefrühstückt.

Einen Zurück-Button sucht man vergebens, und sollte man in seiner Verzweiflung tatsächlich auf die Idee kommen, in den FAQs nach Hilfestellungen zu den Themen zu suchen, wird man dort nur Erklärungen zum Wahl-O-Mat und zur Bundeszentrale für politische Bildung finden.

Ist man schließlich auf der Auswertungsseite angelangt und will sich über die Wahlprogramme der jeweiligen Parteien schlau machen, gibt es folgende Möglichkeiten: Die Begründungen der 8 erwählten Parteien zu den Statements noch einmal durchgehen und/oder dem Link zu den Partei-Infos auf bpb.de folgen.

Einen Direktlink zum jeweiligen Parteiprogramm gibt es nicht.

Mein Fazit: 

Der Wahl-O-Mat ist durchaus eine Entscheidungshilfe für die kommende Wahl. Allerdings eher für Politikfitte Wiederwähler, die aus Spaß einfach mal wissen wollen, wie viel Prozent sie außerdem noch mit den Extremisten und Paradiesvogelparteien gemeinsam haben.

Neuwählern wird der Einstieg hier nicht wirklich einfacher gemacht, im Gegenteil: Wer nicht parallel immer wieder googelt und nachschlägt, läuft schnell Gefahr, unreflektierte Entscheidungen zu treffen, die schließlich zu einer Wahlentscheidung führen können, die man später eher bereut.

Cheers,

Eure Kahzn

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